Nach meinen Nacktstrandvergnuegungen wollte ich noch mehr von der Kurischen Nehrung sehen. Also schaute ich auf meine Karte und sah einen Ort namens Juodkrante. Sah auf der Karte nicht so besonders weit aus und so spazierte ich los. Nach gut 2 Stunden Marsch, sagte ich mir: “Muss ja gleich kommen der Ort” nach 3 Stunden war ich mir dann doch nicht mehr ganz so sicher, aber umdrehen wollte ich auch nicht mehr. Nach ungefaehr vier Stunden hatte ich schon verschiedene Verschwoerungstheorien parat. “Juodkrankte existiert nicht” etc.
Ich hatte in der Zwischenzeit aber auch schon herausgefunden, dass ich auf einem auf meiner Karte nicht eingezeichnetem Weg lief, welcher nicht ganz so direkt nach Juodkrante fuehrte. Nach 5 Stunden war ich dann angekommen, alles in allem war Juodkrante so ungefaehr 25 Kilometer von meinem Ausgangspunkt entfernt, wie mir auch von meiner “Kulturbeauftragten” aka Sprachlehrerin bestaetigt wurde. Sie sah mich im uebrigen auch sehr merkwuerdig an, als ich ihr von meinem Trip erzaehlte.
Wenigstens ein ganze Menge beeindruckender Natur gesehen 

Am Strand der Nehrung, der Sonne entgegen!
Ein Blick von der die ganze Kueste entlanglaufenden Duene!
Nicht die ganze Nehrung ist bewaldet. Baumrodungen und Waldbraende sind eine grosse Bedrohung fuer die Nehrung!
Hier hat es wohl vor einiger Zeit gebrannt, wie auch Brandspuren an Baeumen zeigten.
Aufjedenfall hab ich mir dann noch kurz den Raganos Kalnas (Hexenberg) mit geschnitzten Maerchenfiguren angesehen, doch da es langsam dunkel wurde und ich keine Lust mehr auf Laufen hatte brach ich nach kurzer Zeit ab (die ganze Tour dauert ca eine Stunde), war mir doch etwas zu gruselig und anstrengend.
Fuer die Rueckfahrt nahm ich nach den Strapazen doch lieber den Bus. Weil es wie am Meer ueblich ziemlich windig war, wurde es auch entsprechend kalt, und so trat ich in eine Gastwirtschaft ein um mich aufzuwaermen und ein wenig zu staerken.
“Der Hering mit Kartoffeln war auch wirklich lecker!”
Der Bus der mich zurueckbringen sollte, kam erstmal eine Viertelstunde zu spaet, der Busfahrer aber war gewillt, verlorene Zeit, durch eine rasante Fahrweise auszugleichen.
So fuhr er bestimmt geschaetzte 80 ,(Achtung! Schaetzung is ja anscheinend eine meiner Staerken, siehe Entfernungsschaetzung), statt der erlaubten 60. Der Bus knarrzte auch ordentlich und alles, inklusive Fahrgaeste schwankte hin und her und musste sich festhalten. In Kurven wurde mir Angst und Bange, besonders wenn der Gegenverkehr mit Fernlicht meinen Busfahrer blendete.
Aber wir kamen da irgendwie wohlbehalten durch. Die Faehre war zum Glueck auch noch da so, dass ich zurueck nach Klaipeda uebersetzen konnte.
Es war ca 19 Uhr also ging ich zurueck zum Busbahnhof um mein Rueckfahrticket zu loesen. Zu meinem grossen Erstaunen musste ich feststellen, dass ein Ferienfahrplan galt und mein naechster Bus erst um 23:45 fahren wuerde. (Sollten in den Ferien nicht eigentlich mehr Busse fahren?)
Also war Beschaeftigungsfindung fuer mich erstmal oberste Prioritaet. Weil mir total langweilig war unterhielt ich mich mit einer auch wartenden Litauerin, die irgendwie auch nicht so ganz wusste, wann ihr Bus fahren wuerde oder ob er ueberhaupt fahren wuerde. Ihr Bus kam dann aber nach 30 Minuten so endete mein erster Beschaeftigungsversuch.
“Aber ich waer ja nicht ich wenn ich nicht einen Plan B in der Tasche gehabt haette.“
Wie wir wissen ist Klaipeda eine Hafenstadt und da ich Geld, Langeweile und Lust (drei Hauptvorrausetzungen in Fachkreisen bekannt als GLL) hatte, beschloss ich mich in eine ganz ranzige Hafenkneipe zu setzen (wollt ich schon immer mal machen) und mein Geld in alkoholische Getraenke umzusetzen.
Nach 20 minuetiger Suche hatte ich dann auch ein ansprechendes Objekt gefunden:
Ich trat ein, platzierte mich direkt an der Bar und hatte keine grossen Schwierigkeiten meinem Anliegen Ausdruck zu verleihen. Meine Aussage: “Alus” und ein Laecheln reichte aus und man reichte mir bereitwillig ein erfrischend kuehles Hopfgetraenk vom Fass.
Im Fernsehen lief irgendeine Russische Musikshow von der ich kein Wort verstand. Also beschaeftige ich mich intensiv mit der Speisenkarte, die sogar in Englischer Uebersetzung vorlag. (Die Bedienung sprach aber kein Englisch)
Einen Vodkashot gab es in 3 Preiskatergorien, 2,50 Lita/0,72 Euro, 3,00 Lita/0,87 Euro und 8,00 Lita/2,32 Euro ich wunderte mich ueber diesen grossen Preissprung, war aber nicht gewillt eine etwaige Rechtfertigung herauszufinden.
“Ich blieb lieber beim billigsten.”
Ungewoehnlich fuer eine Hafenkneipe wurde schon um halb 10 geschlossen (auf dem Bild kann man erkennen das die Oeffnungszeiten 10-23 Uhr besagen), lag vielleicht auch daran das ich der alleinige Kunde war. Also stolperte ich raus auf die Strassen Klaipedas, fand aber kein mich ansprechendes Etablissement mehr und zog wieder zum Busbahnhof um die restliche Zeit mit warten zu verbringen.
Alles in allem war ich dann um 3 Uhr nachts wieder in Kaunas, an Schlaf konnte ich im Bus nicht wirklich denken weil es ein Express-Bus nach Minsk war und mich wohl keiner darauf aufmerksam gemacht haette, waere ich zu weit gefahren.
“Es gibt erfreulichere Dinge als am Morgen unverhofft in Weissrussland aufzuwachen.”
Vom Busbahnhof aus, lief ich durch den spaerlich beleuchteten Stadtpark zu meiner Unterkunft, weckte die Empfangsdame und fiel so gegen 4 Uhr nachts todmuede ins Bett.
Damit verabschiede ich mich schonmal ins Wochenende, ich erwarte noch hohen Besuch heute. Wir haben grosse Ziele!




Mann mann, das hört sich ja spannend an. Elend langer Spaziergang auf der Kurischen Nehrung, eine ranzige Hafenkneipe..
Gruß
Hallo Sammy,
ganz toll dein Ausflug auf die Kurische Nehrung. Hast du noch mehr Fotos.
Viele liebe Grüße und bis bald
…oh mann hatte ja schon fast mit black jack und nutten gerechnet als dann von einer “ranzigen hafenkneipe” die rede war… xD
Jo ich hab noch einige Bilder, wollt hier aber nicht alle hochladen.
Das mit der Hafenkneipe war aufjeden Fall ein praegendes Erlebnis.
Haha, das ja lustig – da haste mir ja echt nicht zuviel versprochen: Erst fünf Stunden durch die Landschaft laufen (wo mir nach anderthalb Stunden Strandwalk in Riga schon die Füße weh taten) dann durchn Hexenwald und anschließend in ne Hafenbutze aufn Absackerbier/Vodka. Dass die um halb zehn zu machen konnte ja auch keiner ahnen. In diesem Fall: Eigene Vorräte (Wanderproviant!) helfen über Engpässe hinweg! Aber wie ich gesehen habe hast du das alles gut überlebt, dit is ja immer auch dat wichtigste, wa ey!